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GO TOBEITRÄGE 2007

ARCHIV 2007

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-9. November 2007 /// Leverkusen-Opladen /// Kein Vergeben - Kein Vergessen

9. November 2007

Deutschland 2007

Wieder einmal machen Ausschreitungen von Neonazis in der Bundesrepublik Schlagzeilen. Nur ein Bruchteil der rechtsextremen Gewalttaten fi ndet den Weg in die mediale Öff entlichkeit, viele werden wenn, dann nur in kleineren Kreisen publik.

Einen besonderen Fokus richtete die Presse im August 2007 auf die sächsische Stadt Mügeln: Eine Horde von Neonazis und deutschnationalen Bürgern hetzten unter durch die Straßen der Kleinstadt. Alle Inder wurden erheblich verletzt, der Polizei gelang es erst mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften, die Meute zurückzudrängen. Im Anschluss betonte der Bürgermeister von Mügeln, Gotthard Deuse (FDP): „Wir haben hier keine rechtsradikale Szene“.

Eine rechtsextreme Szene in Leverkusen wird auch von hier ansässigen PolitikerInnen immer wieder verneint. Gleichzeitig tauchen Neonazis aus Leverkusen im gesamten Bundesgebiet und im benachbarten Ausland bei Neonazi-Aufmärschen auf; diverse Schmierereien von Naziparolen finden sich im ganzen Stadtgebiet, Übergriffe auf vermeintlich Andersdenkende mehren sich.

Adolf Hitlers Geburtstag 2007 in den Niederlanden

Böcker als OrdnerWeniger in den Medien, aber auch weiter auf dem Vormarsch sind antisemitische Gewalttaten: Schändungen von jüdischen Friedhöfen oder Gedenkstätten finden beinah im Wochenrhythmus statt, Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens stehen beinah schon auf der Tagesordnung. Parolenv wie „BRD, Judenstaat, wir haben Dich zum Kotzen satt!“ oder „Juden raus!“ hört man nicht nur bei Neonazi-Aufmärschen.


Reichspogromnacht - 9.11.1938

Nach einer Serie von Verhaftungen polnischer JüdInnen in Deutschland und ihrer späteren Abschiebung schoss der junge Herschel Grynspan am 7. November aus Angst um seine Familie den deutschen Diplomaten von Rath nieder.

Die Führungsriege der Nazis verklärte die Verzweiflungstat Grynspans zu einem „Attentat des Weltjudentums“ und sah darin die Legitimation für ihr perfides Vorhaben: Über ihren Propagandaapparat schürten sie im ganzen Land antisemitische Stimmungen und bereiteten landesweite antijüdische Aktionen zur Einschüchterung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung vor.

Bereits am Abend des 7. Novembers ergingen konkrete Anweisungen an sämtliche NSVerbände, wie die geplanten Ausschreitungen auszusehen hätten: Im ganzen Land sollten demnach „spontane“ antijüdische Versammlungen, Kundgebungen und Aufmärsche organisiert werden, aus denen heraus SA-Männer in Zivilkleidung jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen angreifen sollten.

Geplünderte jüdische Geschäfte

Bereits zwei Tage später, am 9. November 1938, begannen die mehrtägigen Pogrome. Innerhalb von vier Tagen wurden fast 8.000 jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, mindestens 267 Synagogen wurden abgebrannt oder gesprengt. 91 Menschen jüdischen Glaubens wurden in diesen Tagen ermordet. Zeitgleich wurden über 25.000 JüdInnen verhaftet und mindestens 3.000 von ihnen wurden in Konzentrationslager deportiert und dort später getötet.

Währenddessen in Leverkusen

Opladener SynagogeAuch hier bei uns in Leverkusen schlug der nationalsozialistische Mob zu: Schon am 8. November wurden im gesamten Stadtgebiet antijüdische Kundgebungen organisiert.

Einen Tag später erreichte eine Direktive der Gestapo-Leitstelle Düsseldorf die örtlichen Polizeireviere, in der beschrieben wurde, wie sich die Polizei bei den bevorstehenden Gewaltexzessen zu verhalten
habe:


So sollte sichergestellt werden, dass „nichtjüdische“ Geschäfte geschützt werden und Brände so gelegt werden, dass das Feuer nicht auf andere Gebäude übergreift. In der Nacht auf den 10. November warfen Mitglieder der Leverkusener NSDAP die Fensterscheiben sämtlicher jüdischen Geschäfte in Wiesdorf ein und verhafteten zwei JüdInnen.

In derselben Nacht begann der Ortsgruppenleiter der NSDAP Opladen ebenfalls Übergriff e zu organisieren. So begab er sich noch in der Nacht gemeinsam mit drei weiteren NSDAP-Mitgliedern und einem Polizisten zur
Synagoge in der Altstadtstraße und sie verwüsteten dort die komplette Inneneinrichtung. Anschließend wurde die Synagoge von der Opladener Bevölkerung geplündert.

Am nächsten Tag postierten sich SA-Angehörige und NSDAP-Mitglieder vor der Synagoge und versuchten immer wieder Passanten, besonders
Kinder zu animieren, Fensterscheiben einzuwerfen und Feuer zu legen.

SA-Männer posieren vor zertörter Synagoge

Am Nachmittag war es dann soweit, die Synagoge stand in Flammen. Als die Feuerwehr schließlich eintraf, war nichts mehr zu retten: die Synagoge war bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Lediglich ein Übergreifen des Brandes auf benachbarte Gebäude wurde verhindert.

Ein beteiligter Feuerwehrmann berichtete später, dass es Befehle gab, die ein Ausrücken hinauszögern sollten, bis sichergestellt sei, dass von dem jüdischen Gebäude nichts mehr übrig bleibe. Gleichzeitig wurden in Opladen mindestens neun JüdInnen festgenommen, von denen einige in Konzentrationslager deportiert wurden.

I.G. Farben und ihre Verbrechen

Einige Chemieunternehmen gründeten im Jahr 1926 in Frankfurt/Main die Interessen-Gemeinschaft Farbenindustrie AG (kurz: I.G. Farben). Zu den Gründungsmitgliedern gehörte neben Agfa, BASF und Hoechst auch die Bayer AG. Dieses neu gegründete Großunternehmen hatte über 80.000 Beschäftigte und wuchs in der Folgezeit zum viertgrößten Konzern weltweit an.

Hand in Hand arbeitete der Chemiekonzern nun mit den Nazis zusammen: mit immer größeren Spenden an dieNSDAP fi nanzierte die I.G. Farben die
Parteiarbeit Hitlers. Als man den Nazis schließlich 1933 an die Macht geholfen hatte, erinnerten diese sich an den willigen Gehilfen aus der Chemiebranche. Die neue Regierung schloss diverse Verträge mit der I.G. Farben und machte den Konzern so zu einem Hauptzulieferer des NS-Regimes. Gleichzeitig profi tierte der Konzern durch die Übernahme „arisierter“ Betriebe in weiten Teilen Europas und konnte so seine industrielle und politische Vormachtstellung weiter ausbauen.

Das Arbeitsfeld der I.G. Farben war breit gestreut: ob synthetische Kraftstoffe, Bestandteile zur Munitionsherstellung oder chemische Kampfstoff e, fast alle Produkte der I.G. Farben dienten der Kriegsführung. Das wohl bekannteste und brutalste Erzeugnis des Konzerns, war Zyklon B.

Zyklon B

Das von Degesch („Deutsche Gesellschaft zur Schädlingsbekämpfung“) hergestellte Giftgas diente in den Gaskammern der Vernichtungslager zur industriellen Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, sowjetischen Kriegsgefangenen, politischen und anderen verfolgten des Naziregimes.

Forscher der Firma Bayer entwickelten „Medikamente“ zur „Vernichtung unwerten Lebens“ (Nazijargon für die Ermordung von Behinderten, Kranken, „Minderwertigen“ uvm.). Dem Euthanasie-Programm der Nazis fielen über 60.000 Menschen zum Opfer.

Gleichzeitig zahlte Bayer dem berüchtigten KZ-“Arzt“ Mengele Prämien, um Medikamente an KZ-Insassen zu testen.

Insgesamt beutete die I.G. Farben mehr als 350.000 ZwangsarbeiterInnen aus,von denen allein 30.000 im firmeneigenen KZ Auschwitz-Monowitz den Tod fanden.Ter Meer-Grab in Krefeld

 

Die Liste der Verbrechen ist zu lang, um hier gänzlich dokumentiert zu werden. 1952 wurde die I.G. Farben in ihre ursprünglichen Unternehmen aufgespaltet, die Rechtsnachfolge trat die I.G. Farben i. A. („in Abwicklung“) an. Diese so genannte Abwicklung dauerte über 50 Jahre und endete erst mit der Insolvenz der I.G. Farben i. A. im Jahr 2003. Sämtliche Verantwortung für Verbrechen der I.G. Farben lehnten die „neuen“ alten Chemiekonzerne ab: ob BASF, Hoechst oder Bayer - alle verwiesen auf die I.G. Farben i. A., sobald es beispielsweise um Fragen von ZwangsarbeiterInnen-entschädigungen ging.

Ter Meer in Nürnberg

 

Die Bayer AG bekennt sich so beispielsweise bis heute durch eine Stiftung zu Fritz ter Meer. Ter Meer wurde 1951 Aufsichtsrats-vorsitzender bei Bayer, nachdem er zuvor bei den I.G. Farben Prozessen 1947 u. a. wegen Versklavung und Plünderung zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. Er war im 2. Weltkrieg für den Aufbau des I.G.-Farben-Werkes bei Auschwitz – dem KZ Auschwitz III Monowitz – verantwortlich, in dem alleine über 30.000 ZwangsarbeiterInnen den Tod fanden.

Unter dem Motto „Kein Vergeben - Kein Vergessen!“
wollen wir auch in diesem Jahr den Opfern der Gräueltaten,
der euphemistisch „Reichskristallnacht“ genannten Ausschreitungen,
von 1938 gedenken und gleichzeitig den mittlerweile
schon alltäglichen Neonazi-Terror thematisieren.

Lasst uns gemeinsam ein Zeichen gegen den
alltäglichen Antisemitismus und Rassismsu setzen!

GEGEN JEDEN GESCHICHTSREVISIONISMUS!

Kommt deshalb alle
zur antifaschistischen Gedenkdemonstration

am 9. November 2007 UM 18:30 UHR
in der Bahnhofstraße in Leverkusen-Opladen.

Buchenwald-Denkmal

[AALEV]Kulturvereinigung Leverkusen e.V

September 2007
Initiative „9. November“
Antifaschistische Aktion LEVerkusen - [AALEV]
Kulturvereinigung Leverkusen e.V.

 

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